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Spreu
und
Weizen
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Anbieter von Befragungen sind so zahlreich, dass es selbst Fachleuten schwer fällt, dabei "die Spreu vom Weizen" zu trennen. In Werbebroschüren oder im Internet kann sich jeder zum Umfrageprofi erklären und selbst ein Professorentitel steht nicht in jedem Fall für Sachverständigkeit in der empirischen Sozialforschung. Mangelnde Fachkompetenz zeigt sich häufig schon bei der Konzeption einer Befragung. Fehler, die hier gemacht werden, lassen sich später nicht mehr korrigieren. Das Gleiche gilt für die Formulierung der Fragen und der Antwortalternativen. Nicht zuletzt zeigen sich Kompetenzmängel bei der Auswertung der Befragungsergebnisse. Die Erkenntnismöglichkeiten, welche die Befragungsmethode und die modernen statistischen Analyseverfahren bieten, werden in vielen Fällen nicht ausgeschöpft; bei den dargestellten Ergebnissen handelt es sich nicht selten um Scheinergebnisse. Die Gründe für das zum Teil niedrige Niveau in der Umfragepraxis sind vor allem darin zu sehen, dass es so einfach erscheint, Fragen zu stellen; ebenso ist es nicht allzu schwierig, irgendwelche Ergebnisse |
mit Hilfe eines
leicht zu erlernenden Statistikprogramms zu produzieren, diese dann in
bunten Grafiken darzustellen und damit den Eindruck bedeutender
Ergebnissen hervorzurufen.
Fragen zu stellen, ist in der Tat nicht schwer. Doch so zu fragen, dass man auch aussagekräftige (zuverlässige und valide) Antworten erhält, das ist schon schwieriger. Hierzu bedarf es nicht nur gründlicher methodischer Kenntnisse, sondern auch eingehender praktischer Erfahrungen. (Würden Sie sich von jemandem operieren lassen, der gerade einmal ein Skalpell halten kann oder nur die "Schwarzwaldklinik" gesehen hat?) Um praktisch verwertbare Erkenntnisse hervorzubringen, müssen Befragungen nun aber keineswegs die Form einer Doktorarbeit aufweisen und auch keine unverständlichen Fachausdrücke enthalten. Sie sollen aber schon wissenschaftlich fundiert sein und die in der empirischen Sozialforschung entwickelten Standards einhalten, um Ihnen die Antworten liefern zu können, die Sie für die Beantwortung Ihrer Fragestellung benötigen. |
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Wenn Sie eine Umfrage
durchführen lassen wollen, dann sollten Sie bei der Auswahl eines
Anbieters die folgende Checkliste heranziehen, die für jede
Befragungsform und alle Befragungsgegenstände gilt.
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Standardbefragungen sind häufig ferner daran zu erkennen, dass sie ausschließlich geschlossene Frage (Fragen mit vorgegebenen Antwortalternativen) enthalten. Lassen Sie sich auch die Möglichkeiten offener Fragen mit freien Antwortmöglichkeiten erläutern! Bei offenen Fragen können die Befragten Wünsche, Kritik, konkrete Ereignisse etc. frei formulieren und werden nicht durch Antwortvorgaben beeinflusst. Freie Antworten, die qualitativ (inhaltsanalytisch) ausgewertet werden, erfordern zwar einen größeren Auswertungsaufwand, besitzen in der Regel aber einen hohen Informationsgehalt.
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Mitarbeiterbefragungen sind - beziehungsweise sollten sein - ein wichtiger Bestandteil im Qualitätsmanagement von Unternehmen, Behörden, Verbänden etc. Sie stellen eine Form der strukturierten Kommunikation in einer Arbeitsorganisation dar und tragen dazu bei, das Arbeitsengagement und die Arbeitsmotivation in der Mitarbeiterschaft zu erhöhen. Die allgemeine Zielbestimmung von Mitarbeiterbefragungen lässt sich beschreiben als das systematische Erfassen der Arbeitssituation aus Sicht der Mitarbeiter/innen und deren Verbesserungsvorschläge. Als konkrete Befragungsziele beziehungsweise Erkenntnisinhalte sind unter anderem zu nennen:
Um diese Ziele verwirklichen zu können, muss eine Mitarbeiterbefragung von ihrer Anlage her und in ihrer Durchführung angepasst sein an die Bedingungen im jeweiligen Unternehmen (Arbeitsorganisation), das heißt sie muss ausgerichtet sein auf die jeweilige Situation und die dort gegebenen Bedingungen. |
Ein besonderer Stellenwert kommt der Vorbereitung einer Mitarbeiterbefragung zu, da hiervon maßgeblich die Akzeptanz der Befragung bei den Mitarbeitern/innen und damit letztlich die Aussagekraft der Ergebnisse abhängt. Die Mitarbeiterschaft darf nicht unvorbereitet mit einer Befragung konfrontiert werden. So hat sich beispielsweise die Einbeziehung der Arbeitnehmervertretung und die Einsetzung einer Projektgruppe als sehr förderlich erwiesen. Die Mitarbeiter/innen sind frühzeitig über die Ziele und den Ablauf der Befragung (einschließlich der Form, wie die Befragungsergebnisse zurückgemeldet werden) zu informieren und es sollte versucht werden, eventuell vorhandene Widerstände gegenüber der Mitarbeiterbefragung rechtzeitig zu überwinden. Die Vorbereitungsaktivitäten sollen von der externen Stelle, die mit der Durchführung der Mitarbeiterbefragung beauftragt wurde, beratend begleitet werden. Die Anonymität der Befragten ist durch geeignete Maßnahmen (bei der Anlage der Befragung, ihrer Durchführung und bei der Auswertung) sicherzustellen. Denn nur, wenn die Befragten überzeugt davon sind, dass ihre Angaben vertraulich behandelt werden und sie an Hand ihrer Antworten nicht identifiziert werden können, sind sie bereit, ihre Meinungen offen zu äußern. Schließlich ist möglichst bereits bei der Planung einer Mitarbeiterbefragung eine Entscheidung darüber zu treffen, wie die Rückmeldung der Befragungsergebnisse an die Mitarbeiterschaft vorgenommen werden soll. Die Bereitschaft, sich an der Befragung zu beteiligen und offen seine Meinung zu äußern, hängt maßgeblich davon ab, ob die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darauf vertrauen können, dass sie über die Hauptergebnisse informiert werden. Wenn keine Rückmeldung erfolgt und die Ergebnisse allein der Unternehmensleitung zugänglich sind, dann kann dies Mißtrauen erzeugen und sich negativ auf das Arbeitsklima auswirken. Des weiteren würde in einem solchen Fall eine Wiederholung der Mitarbeiterbefragung zu einem späteren Zeitpunkt eine sehr geringe Akzeptanz finden oder sogar auf Widerstand stoßen. Die Art und Weise, wie die Rückmeldung vorgenommen wird, hängt natürlich von den konkreten Bedingungen in der jeweiligen Arbeitsorganisation ab. In den meisten Fällen ist es günstig, wenn dabei das Unternehmen, das mit der Durchführung und Auswertung der Mitarbeiterbefragung beauftragt wurde, einbezogen wird. |
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Eine Kundenbefragung stellt eine Kommunikation zwischen Ihnen und Ihren Kunden dar. Sie gibt Ihnen eine systematische und repräsentative Rückmeldung über die Meinungen und Erfahrungen Ihrer Kunden zu den Produkten, den Dienstleistungen und zum Erscheinungsbild Ihres Unternehmens - auch im Vergleich zu Mitbewerbern. Gleichzeitig können Sie damit die Wünsche und Anforderungen, die Ihre Kunden an Ihre Produkte, Dienstleistungen stellen, gezielt in Erfahrung bringen und Zielvorgaben für die im Kundenbereich tätigen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen entwickeln beziehungsweise überprüfen. Kundenbefragungen liefern Ihnen nicht nur zuverlässige Informationen über die Kundenzufriedenheit, sondern auch über das Ausmaß der Bindung der Kunden an Ihr Unternehmen (Kundenbindung, Kundentreue). Mit der Durchführung einer Kundenbefragung erhalten Sie die für ein kundenorientiertes Handeln notwendige Datenbasis. Gleichzeitig verdeutlichen Sie damit Ihren Kunden, dass Sie ihren Meinungen einen zentralen Stellenwert zuerkennen und Kundenorientierung für Sie nicht nur ein Schlagwort ist. Es ist daher von besonderer Bedeutung, dass dieses Kommunikationsmedium fachgerecht entwickelt und dies von Ihren Kunden auch so wahrgenommen wird. Ihre Kunden sollten Ihnen zu wichtig sein, um sie mit einer schablonenhaften Umfrage ("Schema F-Befragung") zu konfrontieren. Damit eine Kundenbefragung die erforderliche Akzeptanz bei ihren Adressaten findet, sollte sie individuell auf den jeweiligen Kundenkreis und die spezifischen Produkte/Dienstleistungen des Anbieters ausgerichtet sein. Die Entwicklung einer Kundenbefragung erfordert daher nicht nur methodische Kenntnisse, sondern auch Eingehen auf den jeweiligen Sachverhalt und psychologisches Geschick. |
Kundenbefragungen sollten nicht nur vorgegebene Antwortmöglichkeiten enthalten. Geben Sie Ihren Kunden auch die Gelegenheit bieten, Ihre individuellen Erfahrungen, Erwartungen und Wünsche zu äußern. Hierfür hat sich die CIT-Methode (critical incident technique) als geeignet erwiesen, bei der die Kundenangaben inhaltsanalytisch ausgewertet werden. Da häufig eine Vollbefragung (aus quantitativen Gründen) nicht sinnvoll ist, kommt der Auswahl der Befragtenstichprobe bei Kundenbefragungen eine besondere Bedeutung zu, um repräsentative Ergebnisse zu erhalten. Die Kriterien für die Stichprobenauswahl sind auf die Zusammensetzung der jeweiligen Kundenpopulation auszurichten; hierbei müssen methodische Kenntnisse durch Informationen über die jeweilige Kundenstruktur ergänzt werden, was eine enge Abstimmung mit dem betreffenden Unternehmen erfordert. Die Auswertung von Kundenbefragungen ist so anzulegen, dass zwischen einzelnen Kundensegmenten differenziert werden kann, wobei ein Orientierungsmaßstab für die Interpretation eventueller Unterschiede darzustellen ist. Es sollten multivariate Analyseverfahren angewendet werden, um zum Beispiel das Gewicht einzelner Leistungsmerkmale für die Kundenzufriedenheit oder die Struktur eines Firmenimages ausweisen zu können. Die Befragungsergebnisse sollen nicht nur den Ist-Zustand beschreiben. Es sollten darüber hinaus die Ursachen von Unterschieden in der Kundenzufriedenheit ausgewiesen und die Bedingungen identifiziert werden, die Kundenzufriedenheit und Kundenbindung positiv oder negativ beeinflussen. |
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Bürgerbefragungen sind sowohl Ausdruck von Bürgerorientierung als auch ein Mittel, diese optimal praktizieren zu können. Damit Bürgerorientierung nicht eine abstrakte Idee bleibt, benötigt sie objektive Daten, um das Handeln an den Wünschen, Erfahrungen, Sorgen und Bewertungskriterien der Bürgerinnen und Bürger ausrichten, Defizite identifizieren und die Effekte von Veränderungsmaßnahmen überprüfen zu können. Die dafür notwendigen Daten liefern Bürgerbefragungen. Bürgerbefragungen weisen naturgemäß ein großes Themenspektrum auf. Dies reicht von der Qualität der Dienstleistungen einer Kommunalverwaltung über die Akzeptanz von Maßnahmen, Einrichtungen, Anlagen bis zur Kriminalitätsthematik (Sicherheitsgefühl, Meinungen zur Polizei und zum Sicherheitsverhalten, Opfererfahrungen). Aus diesem Grund ist in diesem Fall besonderer Wert darauf zu legen, dass keine standardisierten Befragungen (Befragungsschablonen) eingesetzt werden. Sinnvolle Ergebnisse lassen sich nur mit Hilfe von thematisch-spezifischen und den jeweiligen Bedingungen 'vor Ort' angepassten Befragungskonzepten gewinnen. Bürgerbefragungen sollen - gleich um welche Thematik es sich dabei handelt - ein repräsentatives Meinungsbild
erstellen. Da im allgemeinen eine Vollbefragung ökonomischen nicht
sinnvoll ist, kommt der Festlegung der Befragtenstichprobe eine
zentrale Bedeutung zu. Die
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Stichprobenzusammensetzung ist entscheidend dafür, ob die Repräsentativität der Befragungsergebnisse gewährleistet ist oder nicht. Fehler die dabei gemacht werden, lassen sich später nicht mehr korrigieren. Desgleichen hängt der Erkenntniswert einer Bürgerbefragung in hohem Maße von der Qualität der Datenanalyse ab. So bringt es wenig, allein aufzuzeigen, wie viel Prozent einer Bevölkerung zum Beispiel "unzufrieden" mit einer bestimmten kommunalen Dienstleistung sind, wenn nicht die Gründe dafür aufgezeigt werden; erst dann können gezielte Verbesserungsmaßnahmen entwickelt werden. Schließlich müssen bei der Auswertung von Bürgerbefragungen Differenzierungen vorgenommen werden beziehungsweise vorgenommen werden können: nach Personengruppen (Alter, Geschlecht, Wohndauer etc.), nach regionalen Kriterien (zum Beispiel Stadtteilen), aber auch nach Antwortkriterien wie beispielsweise der Häufigkeit der Inanspruchnahme bestimmter Leistungen. Bei diesen Differenzierungen ist darauf zu achten, dass die statistische Bedeutsamkeit (Signifikanz bzw. Vertrauensintervall) der ausgewiesenen Unterschiede bestimmt wird, um die Gefahr der Interpretation zufälliger Unterschiede ausschließen zu können. |
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| Impressum | |||
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© H. - R. Volkmann IPSO 2008
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